© cukrowicz.nachbaur architekten . Published on September 22, 2009.
Situation und Ort.
Die bestehende Situation wird geprägt durch einen zusammenhängenden Grünbereich mit solitär besetzten Bauten von übergeordnetem Interesse: Kirche, Pfarrzentrum und Kindergarten. Weiteres bauliches Gepräge erhält der Ort durch lockere Einfamilienhausstrukturen im Norden und Osten. Eine Besonderheit des Ortes ist die Birkenallee als Verbindung zwischen Hauptstraße und Friedhof.
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Struktur und Konzept.
Die Konzeption der neuen Mehrgenerationenanlage reagiert auf die Bestandsstruktur der Umgebung mit drei versetzt zueinander angeordneten kompakten Baukörpern in einem großzügigen Grünraum. Eine überdimensionale Großform mit kritischem Maßstabssprung und Abschottungsgefahr zum Umraum wird bewusst vermieden. Das Bauvolumen wird maßstäblich in drei Körper unterschiedlicher Höhe aufgelöst und angemessen mit den Umgebungsstrukturen des Bestandes verknüpft. Es entsteht neben einer guten Durchlässigkeit eine spannungsvolle Beziehung von differenzierten Außenbereichen. Bei Weiterführung des städtebaulichen Musters ist auch eine Anknüpfbarkeit für weitere Bauetappen ohne räumliche oder maßstäbliche Zäsur gegeben.
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Funktion und Organisation.
Die drei Körper zueinander bilden einen zentralen kommunikativen Erschließungs- und Kontaktgrünraum, die Positionen der Eingangsbereiche stehen in Beziehung zueinander und sind als überdachte Gemeinschafts- und Kontaktzonen ausgebildet. Die Übergänge zwischen allen Bereichen sind fließend ausgebildet. Durch die versetzte Anordnung der Baukörper entstehen Außenräume mit unterschiedlicher Größe, klarer Zuordnung und differenziertem Gepräge:
Der „urbane“ Platz im Bereich der Zufahrt im NW, der „zentrale“ Grünraum als Wohnhof, der Außenraum der Kinderkrippe als Spielbereich im Süden in Nahebeziehung zum bestehenden Kindergarten. Der „urbane“ Platz ist bewusst öffentlicher gestaltet als der begrünte Wohnhof. Durch die Ausbildung von blickgeschützten Loggien sowie die Vermeidung von individuellen Gartenparzellierungen kann der gesamte Grünraum als gemeinschaftlicher Kommunikationsraum genutzt werden. Zusätzlich wären auch die Dachflächen als kommunikative Außenräume denkbar.
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Generationenwohnen und Gemeinschaft.
Der zentrale kommunikative Wohnhof spiegelt sich im Inneren der drei Gebäude als wirtschaftliche Zentralerschließung (Haus A: 13 Wohnungen pro Lift und Treppe, Haus B: 20 und Haus C: 24) mit spannenden Begegnungszonen und Gemeinschaftsflächen wider. Alle drei Baukörper folgen derselben Grundkonzeption: die Nutzbereiche und Wohnzonen sind ringförmig um eine zentrale Halle organisiert. Die Differenziertheit der zentralen Hallen ermöglicht unterschiedliche räumliche Situationen. Die Hallen sind überhitzungsfrei von oben belichtet. Das Anheben der Gebäude um einen 60cm hohen Sockelbereich fördert die Privatheit und ermöglicht einen Blickschutz für die erdgeschossigen Wohnbereiche. Die Allgemeinfunktionen mit größerer Raumhöhe befinden sich auf Geländeniveau, sind selbstverständlich integriert und von außen ablesbar gestaltet. Das Café mit Gruppenraum ist zum „urbanen“ Platz und über die Terrasse Richtung Süden orientiert. Die Kinderkrippe ist südorientiert, jedem Gruppenraum ist ein überdachter Terrassenbereich zugeordnet.
Die Barrierefreiheit aller Wohnungen ist ohne lange Rampen durch eine einfache Liftlösung gewährleistet. Alle Wohnungen sind gut belichtet und in ihrer Orientierung optimiert. Der gewünschte Wohnungsmix ist durchgängig über alle Geschoße und Baukörper.
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Das Konzept verfolgt Generationenwohnen „unideologisch“ und zwanglos mit qualitätsvollen Kontaktbereichen im Innen- wie im Außenraum, sowie in den mit dem Freibereichen verbundenen Gemeinschaftseinrichtungen. Hier ist sowohl Kontakt als auch Rückzug auf selbstverständliche Art und Weise möglich.
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Konstruktion und Material.
Ein einfaches konstruktives Prinzip und die Vermeidung von tragenden Zwischenwänden ermöglicht eine hohe Veränderbarkeit. Variabilität und Flexibilität entstehen durch Schalträume, Schaltwohnungen (z.B. als Pflegewohnungen und Verbindungen für größere Patchworkfamilien, Startwohnungen, etc).
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Die maßstäbliche und wirtschaftliche Kompaktheit der Baukörper fügt sich ohne Sturheit spielerisch in ihre Umgebung. Die Wohnungen in den Baukörpern sind durch die Zusammenfassung der Fassadenöffnungen ablesbar, die Fassaden wirken bei gleichen Loggiengrößen dynamisch, variable Elemente wie Schiebeläden oder Markisen sind möglich. Der Massivbau mit verputzter Fassade garantiert hohe Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz.
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Ökologie und Nachhaltigkeit.
Wesentlicher Faktor für die Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Betrieb ist die kompakte Form der Baukörper mit einem ausgezeichneten Oberfläche/Volumen Verhältnis Eine hochwertige Dämmung aller Bauteile sowie eine Minimierung der thermischen Gebäudehülle garantieren niedrige Betriebskosten. Der Einsatz von ökologischen und robusten Baumaterialien, garantiert eine lange Nutzungsdauer und schaffen einen positiven Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Eine ressourcenschonende Bauweise ermöglicht das Schließen der Stoffkreisläufe.
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Energiekonzept und Haustechnik.
Um den Ansprüchen zeitgemäßen Wohnens in den Bereichen Wärmeverbrauch, Behaglichkeit und Ressourcenverbrauch gerecht zu werden, wird zusätzlich die Umsetzung innovativer Haustechnikkonzepte angeregt.
Energie / Ökologie: Voraussetzung zur Erreichung einer hohen Energieeffizienz (zB. Niedrigenergie – oder Passivhausstandard) ist ein kompakter Baukörper mit thermisch optimierter Fassade, hochwertigen Verglasungen, sowie ein effizienter, aussen liegender Sonnenschutz. Zur weiteren Optimierung, sowie zur Gewährleistung ausreichender Raumluftqualität, wird eine kontrollierte Gebäudelüftung vorgeschlagen.
Baukörper: Einsatz hochwärmegedämmter Außenwände, Verglasungen in 3-Scheibenausführung mit minimierten Rahmenanteilen, effiziente Dämmung von Dächern und Böden sowie konsequente Vermeidung von Wärmebrücken. Die gewählte Konstruktion in Massivbauweise garantiert ein ganzjährig angenehmes Raum- und Wohnklima. Die vorhandenen Speichermassen (Betondecken, Ziegelmauerwerk) regulieren auftretende Raumtemperaturschwankungen bei Wärmegewinnen und garantieren die Sicherstellung der Sommertauglichkeit. Auf eine aktive Kühlung kann dadurch verzichtet werden.
Heizung: Die verbleibenden minimalen Heizlasten können über ein schlank dimensioniertes Heizsystem bzw. über die kontrollierte Gebäudelüftung abgedeckt werden. Die erforderliche Raumtemperaturregelung kann individuell über eine Fußbodenheizung oder ein Heizkörpersystem realisiert werden. Die Wärme- und Warmwassererzeugung erfolgt mittels einer zentralen CO2-neutralen Biomasseheizung. Die Einbindung einer Solaranlage insbesondere für die Warmwasserbereitung im Sommer ist technisch sehr gut möglich.
Lüftung: Die Komfortlüftung der Wohnbereiche erfolgt wohnungsweise über dezentrale, platzsparende Kompaktlüftungsgeräte mit hocheffizienter Wärmerückgewinnungseinheit (WRG >85%). In den Gemeinschaftsbereichen und der Kinderkrippe wird eine mechanische Lüftungsanlage zur kontrollierten Be- und Entlüftung vorgeschlagen. Die individuelle Luftmengensteuerung übernehmen CO2-geführte Volumenstromregler. Damit wird unnötiger Lüftungsbetrieb vermieden, Antriebsenergie und Wärmeenergie wird eingespart. Die Lüftungsgeräte sind mit effizienter Wärmerückgewinnung (min. 80%), drehzahlgeregelten Ventilatoren, sowie Feinstaubfiltern ausgestattet. Die Situierung erfolgt in den Technikräumen im Untergeschoß. Nur in Verbindung mit einer kontrollierten Gebäudelüftung kann sichergestellt werden, dass die maximalen CO2-Konzentration der Raumluft einen definierten Grenzwert (z.B. 1200 ppm) nicht überschreitet.
Erschließung und Verkehr
Die motorisierte Erschließung der neuen Mehrgenerationen-Wohnanlage erfolgt nordseitig des Grundstückes über die bestehende Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Über einen neu konzeptionierten Wendehammer im Nordosten ist die Erschließung sowie die Ver- und Entsorgung der ostseitigen Grundparzellen und des bestehenden Pfarrzentrums sichergestellt. Die Parkierungsflächen sind gesplittet im Westen, Norden und Osten der Anlage als oberirdische und kostengünstige Stellplätze positioniert. Die bestehenden und projektierten Fuß-. und Radwege des Quartiers werden zusammengeführt und sind über die Außenräume der neuen Wohnanlage miteinander vernetzt. Zusätzlich zu den Fahrradabstellplätzen im Außenbereich der Anlage befindet sich bei jedem Hauseingang ein Abstellraum für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle.