© Atelier Thomas Pucher . Published on January 20, 2010.
Städtebauliches Konzept
Der Süden von Amstetten – die Umgebung der Zentralschule – ist geprägt durch eine äußerst heterogene Bebauung. Unterschiedlichste Bauaufgaben wechseln mit unterschiedlichsten Stilen und werden einzig vom vorhandenen Straßennetz spärlich strukturiert.
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Städtebauliche Markierung
Der neue Entwurf reagiert mit zwei Maßnahmen auf diese Situation. Zum ersten wird mit einem kompakten fünfgeschossigen Baukörper – der Hauptschule – ein städtebaulich zeichenhaftes Gebäude gesetzt. Es markiert an den Sichtachsen der heranführenden Straßen den Ort der neuen Schule und ihren Haupteingang. Gleichzeitig vermittelt dieser Baukörper zwischen den hohen Gebäudescheiben im Westen und der niedrigeren, offeneren Bebauung im Süden und Osten.
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Ein Feld
Zum zweiten wird die neue Schule selbst auf einem klar strukturierten Feld mit sechs Flächen –
3 Häusern und 3 Höfen – präzise geordnet. Durch diese Ordnung können die unterschiedlichen Nutzungen trotz Ihrer Vielfältigkeit zu einem gemeinsamen identitätsstiftenden Verband zusammengefasst werden. Durch die Ergänzung der drei Baukörper mit drei räumlich gefassten Höfen entsteht ein dichter Campus mit einer Vielzahl an differenzierten Innen- und Außenräumen. Dieses gut strukturierte, gleichzeitig sehr vielfältig nutzbare Grundgerüst bietet ein hohes Maß an Geborgenheit und Orientierung als Basis für die schulische Entwicklung.
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Drei Höfe
Die Höfe dienen als verbindendes Element zwischen den Baukörpern und als Vermittler zwischen Schule und Stadt. Zwei der Höfe dienen als Eingangshöfe, der erste – von der Pestalozzistraße – als Haupteingang, der zweite – von der Stefan Fadinger Straße – als Vorbereich und Eingang zum Musikhaus. Alle Höfe können als Pausenhöfe genutzt werden und sind bezüglich ihrer Lage und Belichtung auf unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten abgestimmt. Dem zentral liegenden Pausenhof kommt eine besondere Aufenthaltsqualität zugute. Er wird dreiseitig von Gebäuden umschlossen und ist gleichzeitig zum Freiraum der Sportanlagen geöffnet.
Akustisch werden die Höfe jeweils durch die Campusgebäude bzw. durch eigene raumbildende Wandelemente gegen die Nachbarschaft abgeschirmt. Die umlaufende Überdachung der Höfe ermöglicht einen effizienten Sonnenschutz der angrenzenden Sockelnutzungen und im Außenbereich eine sorgsame Differenzierung der Aufenthaltsbereiche.
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Drei Häuser
Die drei Häuser Hauptschule, Turnsaal und Musikhaus sind schachbrettartig zusammengefasst. Jedes Haus ist entsprechend seiner inneren Logik aufgebaut und organisiert. Die Häuser können gemeinsam – über das zentrale Foyer der Hauptschule – oder getrennt über jeweils eigene Eingänge genutzt werden. Die verbindenden Höfe dienen jeweils als zugeordnete Eingangs- Aufenthalts- und Pausenräume.
Hauptschule: Das zentrale Gebäude der Anlage ist die Hauptschule, ein fünfgeschossiger, kompakter Baukörper mit einem verbindenden Luftraum der sich in den einzelnen Geschossen in jeweils unterschiedliche Richtungen zum Außenraum öffnet. Die Klassenräume sind jeweils zu Blöcken zusammengefasst wodurch insgesamt ein vielschichtiges Geflecht an geschlossenen Volumen und offenen Frei- und Aufenthaltsräumen entsteht. Diese Freiräume dienen als Pausenaufenthalts-bereiche und Räume für den Kleingruppenunterricht (aktivierte Gänge). Das Konzept der offenen und geschlossenen Räume bildet sich an der Fassade als Gestaltungsprinzip ab.
Im Erdgeschoß der Hauptschule befindet sich das zentrale Foyer der Anlage, das zu allen drei Höfen hin ausgerichtet ist. Es verbindet und organisiert in einer Art durchgehender Achse alle Funktionen des Campus.
Die Stiege des Gebäudes ist als zweiläufige Treppe („New Yorker Treppe“) mit umlaufender Brandschutzverglasung ausgebildet. Dadurch wird ein Höchstmaß an Effizienz erreicht und die auf den ersten Blick nachteilige hohe Geschoßanzahl zu einem Vorteil im Sinne der aktiven Bewegung der Schüler umgewandelt.
Musikhaus: Die Musikschule ist gemeinsam mit dem Musikverein und dem Symphonieorchester in einem gemeinsamen Musikhaus zusammengefasst. Um die akustische Beeinträchtigung der Anrainer und der Hauptschule zu minimieren ist das Gebäude an der Nordostseite des Campus situiert. Die großen Probe- und Unterrichtsräume sind von den Höfen abgewandt während die Aufenthaltsräume und die Direktion zu den Höfen und der Campusmitte hin orientiert sind. Eine Trennung zwischen Musikschule und Musikverein ist möglich.
Turnsäle: Der bestehende Turnsaal mit dem Materiallager wird nach Süden durch einen zweiten Saal ergänzt. Das Lager wird erweitert und dient als zentrales Lager für beide Säle (mit seitlicher Durchgangsmöglichkeit). Auf Grund der organisatorisch ungünstigen Lage werden die bestehenden Garderoben abgebrochen und gemeinsam mit den neuen Garderoben zu einem klaren – zum Pausenhof hin ausgerichteten – Garderobentrakt zusammengefasst.
Die Mensa der Hauptschule wird im Süden an den neuen Turnsaal angebaut. Hier vermittelt sie zwischen Saal und Eingangshof und kann im Falle von Veranstaltungen als Foyer oder Restaurant benutz werden.
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Äußere Gestaltung
Die Gestaltung des Gebäudes ergibt sich einerseits durch die zusammenfassende Wirkung der Gebäude und Höfe zu einer Einheit, andererseits durch die innere Organisation und deren Abbildung an der Außenseite. Die innenliegenden Aufenthalts- und Freiräume spiegeln sich an der Außenseite durch großzügige Öffnungen wieder. Dem gegenüber werden die Fassaden der übrigen Räume mit sehr präzise gesetzten Fensterflächen in einem ausgewogenen Belichtungsverhältnis ausgebildet. Es entsteht ein selbstbewusstes Gebäudevolumen mit einer differenzierten räumlichen Konfiguration.
Die Außenhaut wird mit hellen Flachklinkersteinen ausgeführt, einer ökologischen, sehr robusten Fassade mit geringem Wartungsaufwand und natürlichem Charakter. Die Dachrahmen der Höfe werden in als 15cm starke Sichtbetonflächen auf dünnen Nadelstützen ausgeführt. Dadurch entsteht ein wechselseitiges Spiel aus Linien und Masse und unterschiedlich texturierten Oberflächen mit entsprechender Raum- und Lichtwirkung.
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Realisierung
Die Realisierung der neuen Baukörper ist unabhängig vom derzeitigen Schulbetrieb möglich. Die Sportfreiflächen werden nach Fertigstellung der neuen Schule und Abbruch des Bestandsgebäudes errichtet. In diesem Zuge ist auch die Komplettierung des nördlichen Pausenhofes vorgesehen.
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