© AV1 Architekten - Butz Dujmovic Schanné Urig . Published on April 20, 2010.
Leitbild
Die Lage des Areals der Stadtentwässerung mit dem heterogenen Umfeld der Käfertalerstraße definiert den vorgefundenen Ort räumlich und atmosphärisch im hohen Maße.
Übergeordnetes Ziel des Entwurfes ist es, ein Konzept zu finden, das sich nach Außen zur Stadt synergetisch und harmonisierend in die vorhandenen Strukturen einfügt als auch im Inneren flexible Nutzungen ermöglicht. Ein Artefakt als attraktives und zukunftweisendes Bürohaus, das den Anspruch des Unternehmens auf Energieeinsparung und technische Innovation zum Stadtraum zeigt, ist das Ziel für das Projekt.
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Stadt und Haus
Ein umlaufendes Band aus Ziegelmauerwerk fasst das Areal der städtischen Eigenbetriebe Abfallwirtschaft und Stadtentwässerung zusammen mit Bezugsnahme zu den historischen Kopf bauten des denkmalgeschützten historischen Kraftwagenhofs. Die Dachflächen der eingeschossigen Baukörper sind Schritt für Schritt im Rahmen einer energetischen Sanierung zu begrünen und die versiegelnden Verkehrsflächen des Betriebshofs mit Sickerasphalt zu befestigen, um einen hohen Versickerungsgrad des Regenwassers zu garantieren. Über einen einladenden Vorplatz, an den die Besucherstellplätze anschließen, gelangen Mitarbeiter und Besucher in einen transparenten Foyerraum, der Stadt- und Innenraum miteinander verknüpft.
© AV1 Architekten - Butz Dujmovic Schanné Urig . Published on April 20, 2010.
Konzeptstruktur und Nutzung (Flexibilität)
Das Erdgeschoß öffnet den Neubau zum öffentlichen Raum und zum begrünten Parkplatz. Die als werbe wirksames Fenster zur Stadt ausgebildete Glasfassade lässt die Nutzung des Foyers als multifunktionalnutzbare Ausstellungsfläche zu. Eine einladende Treppe erschließt den Vortragssaal im ersten Obergeschoß, der mit der Kantine zu einem Großraum für Veranstaltungen zusammengeschlossen werden kann. Die Obergeschosse mit einem Installations- und Erschließungskern können flexibel genutzt werden. Verschiedene Organisationsformen, wie Einzel-, Kombi- oder Großraumbüro, sind möglich, um auf die wechselnden Anforderungen reagieren zu können.
Ein ganzheitlich gedachtes Entwurfsprinzip integriert Gebäudezonierung und Ökologie, Material und Konstruktion. Die Zonierung der Hausstruktur erfolgt in verschiedenen Schichtungen: Büroräume auf der Nord- und Ostseite mit Brüstungen, eine zentrale Verteilerzone mit Treppe und Aufzug und die offene Kommunikations- und Besprechungszone mit dem Energiegarten im Süden und Westen. Die Südfassade des Vertikalraums ist als Luftkollektor ausgebildet. Der hinter der Glashaut liegende begrünte Energiegarten erzeugt ein Signet für den Eigenbetrieb Stadtentwässerung der Stadt Mannheim als Zeichen für ein modernes Unternehmen, das zukunftsweisend arbeitet und nachhaltig mit den Ressourcen umgeht.
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Licht und Raum
Alle Büroräume sind natürlich belichtet und belüftet, um den kostenintensiven Einsatz der Elektrotechnik zu minimieren und die Betriebskosten auf einem geringen Niveau zu halten. Durch die Beleuchtung der Erschließung und des Energiegartens wird die Fassade zum tages- und jahreszeitlich wechselnden Phänomen, das die Beziehung Architektur und Inhalt, Innen- und Außenraum auf vielfältige Art intensiviert.
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Ökologie und Haus
Einfache geometrische und materialgerechte Konstruktionen unter Beachtung ökologischer und ökonomischer Verarbeitungsweisen tragen dem Anspruch zeitgemäßer Architektur Rechnung. Die Dachbegrünung verbessert das Kleinklima. Die in die massive Betonkonstruktion integrierte Bauteilaktivierung und ein unter der Bodenplatte in die Sauberkeitsschicht eingelegter Erdkollektor sorgen für eine Optimierung des Klimas durch Kühlung im Sommer und moderate Beheizung im Winter.
Die Erwärmung und Kühlung des Gebäudes wird unterstützt über einen thermischen Luftkreislauf mit solaren Energiegewinnen und Wärmerückgewinnung sowie einer Aktivierung der massiven Bauteile (Betonwänden- und decken) durch Erdwärme und -kühle. Ergänzt werden diese Systeme durch den in das Gebäudevolumen integrierten Energiegarten, der mit der Bepflanzung, Belüftung und Belichtung das Mikroklima im Haus verbessert.
Oberlichter mit Sonnenkollektoren auf dem Schwarz-Weiss-Bereich erwärmen das für die Waschräume notwendige Brauchwasser ohne fossile Brennstoffe zu verbrennen.
Das Gestaltprinzip mit den größeren Fensteröffnungen der Süd- und Westseite (mit dreifacher Isolierverglasung) und der Bandfassade auf der sehr gut gedämmten Ost- und Nordseite erhöht den solaren Wärmegewinn und vermindert mit der kompakten Gebäudegeometrie die Wärmeabstrahlung. Motorbetriebene farbige Stoffjalousien auf der Fassadenaußenseite schützen die Innenräume vor unkontrollierter Erwärmung. Photovoltaikmodule als regenerative Energiequelle, die als Sonnenschutzelemente in die Verglasung der Dachoberlichter des Treppenhauses eingebaut sind, versorgen das Haus mit Strom.
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Material und Konstruktion
Dem Inhalt und der Bedeutung entsprechend entwickelt sich die architektonische Gestalt im Wesentlichen aus den funktionalen und ökologischen Anforderungen. Passive und aktive Elemente der Energienutzung sind Bestandteil des räumlich-konstruktiven Konzepts und werden so zu den mitbestimmenden Parametern des architektonischen Entwurfs.
Prägend für die Gestalt ist der Einsatz der aus dem Ort und der Bauaufgabe abgeleiteten Materialen Ziegel und Titanzink, ein Werkstoff, der zu hundert Prozent recycelbar ist und einen geringen Netto-Primärenergie Aufwand (Lebenszyklus-Betrachtung) besitzt. Es spannen sich im Haus verschiedene Membranen, Schichten und Programme auf, die in ihrer Anordnung und Materialität zu spezifischen Räumen und Raumerlebnissen von Überlagerung und Durchdringung führen. Der Kontrast zwischen offenen und geschlossenen, filigranen und massiven Elementen erzeugt ein räumlich reizvolles Gefüge und schafft eine heitere, leichte Situation.
Wirtschaftlichkeit
Die Idee eines kompakten Gebäudes entspricht in hohem Maße den Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit und Energetik. Das gute Verhältnis von Fassaden- zu Nutzfläche verspricht moderate Baukosten. Die dargestellten Maßnahmen zum Einsatz regenerativer Energien in Kombination mit einer intelligenten räumlichen Komposition aus Energie puffernden Räumen und Flächen ermöglichen einen zukunftsorientierten günstigen Betrieb des Gebäudes.
Identität
Das Gebäude für die Stadtentwässerung in Mannheim verbindet funktionale und architektonische Elemente zu einem einfachen ökologischen Gesamtkonzept. Dieser Anspruch erfordert eine Ganzheitlichkeit, die die isolierte Betrachtung einzelner Elemente ausschließt. Die so entwickelte Physis des Orts wird zum wesentlichen Bestandteil des architektonischen Entwurfs. Ein abgestimmter interdisziplinärer Prozess bezieht alle tektonischen Bausteine so aufeinander, dass sich daraus ein ganzheitliches und nachhaltiges Modell des Gebäudes generieren lässt.
Offenheit und Transparenz, wechselnde Bezüge von Innen- und Außenraum, sowie lebendige und vielseitig nutzbare Vor- und Zwischenzonen bestimmen wesentlich die Raumqualität und die Identifizierung der Nutzer mit dem Gebäude.
Als Ganzes ist das Gebäude Zeichen für die Kundenorientierung und Ausdruck eines modernen Unternehmens mit Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt.