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Hannover, Germany

Hannover City 2020+

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Die Aufgabenstellung Hannover 2020 erwartet einen Blick in die Zukunft.

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In einer zunehmend unsicheren Zeit sind Prognosen und Visionen zur Stadtentwicklung, bei zunehmend begrenzten Ressourcen waghalsig, und oft genug fehlerhaft, falsch oder schädlich. Zumindest kann man sagen, dass das, was aus vielen Konzepten und Visionen nach Ablauf des Prognosezeitraumes real wurde viel zu oft sich weit vom „Geist“ des positiven Ausblicks, Beginns entfernt hat und der rauen Realität zum Opfer fiel. Die Zerstörungen des Krieges und die anschließend realisierten Planungen (Visionen) der Nachkriegszeit haben in Hannover ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Vor allem das heute mit Skepsis gesehene Leitbild der autogerechten und aufgelockerten Stadt prägt den Ort, ein erneutes Nachdenken ist gefragt. Diese Unwirtlichkeit der hier realisierten Nachkriegsmoderne lenkt erneut den Blick der Akteure auf Zukunftskonzepte deren Qualität und Tauglichkeit vor dem Hintergrund der stadtbaulichen Geschichte gesehen werden muss. Die zentrale Frage, wie viel Stadt, Verkehr und Grün ergibt eine alle Bedürfnisse des Menschen hervorragend befriedigende Melange stellt sich in der Innenstadt Hannovers im Besonderen. Richtig wird sein, dass alle genannten Aspekte nicht zu jeweils einhundert Prozent realisierbar sind. Im Widerstreit der Interessen ist ein Ausgleich derselben oft eine Frage des Geldes und der Macht. Die Lobby für qualitätsvolles „Grün“ bedarf des Geldes der auf Gewinn orientierten Investoren. Der Investor braucht die Akzeptanz der Politik, der Menschen.

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Das „Zurück in die Zukunft“ beschreibt den Blick auf die Gegenwart in Kenntnis dessen was sein wird. So sehen wir Zeitgenossen den Ort in seiner Geschichte und lernen bestenfalls daraus. Der eine Ansatz des mit dieser Arbeit vorgetragenen Entwurfes ist die Geschichte Hannovers mit seiner Entwicklung von der vor der mittelalterlichen Stadt liegenden Flussaue über die Stadterweiterung der Calenberger Neustadt umschlossen von wehrhaften Verteidigungsanlagen. Stadt- und Landschaftsgeschichte werden am Ort sichtbar gemacht. Bezüge werden Teil der objektplanerischen Aufgabenstellung. Detailentwurf, Namensgebung und vor allem Bedeutung und Inhalt definieren die baulich zukünftige Qualität des Vorschlages.
Den Zweiten Ansatz beschreibt ein kürzlich in einer bekannten Wochenzeitung zu findenden Satz: „Langweilig, heißt es, sei Hannover, und in soweit dies zutrifft, ist das durchaus eine zukunftsweisende Qualität. Die Zeit wird kommen, da der Eventcharakter und das Marketinggebrüll einer Stadt als Mittel der Touristenwerbung ausgeschöpft sind – dann wird es um feinere Reize gehen. Dann wird die Stunde Hannovers schlagen.“ ( Die Zeit: Stadt der Mitte Hannover, Ullrich Stock).

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Im Rahmen der 2. Phase des Wettbewerbes erging die Aufgabenstellung den Bereich des Hohen Ufers und den Verknüpfungsbereich desselben mit dem Waterloo Platz zu konkretisieren. Der Vorschlag zum Ensemble des Waterloo Platzes aus der ersten Phase sollte unter Berücksichtigung einer bereits festgelegten, gegenüber der Bestandssituation differierenden Verkehrsplanung überprüft und weiter getragen werden. Auch unter Berücksichtigung der vorgegebenen Verkehrsplanung kann hiermit nachgewiesen werden das die hier vorgeschlagene qualitätsvolle und räumlich angemessene Bebauungsoption bei Vorliegen einer dem Ort angemessenen öffentlichen Nutzung qualitätsvoll entwickelt werden kann.
Zwischenzeitlich besteht, wie schon in der ersten Phase vorgestellt, die Möglichkeit den Ort in der hier vorgeschlagenen Geometrie durch einfache landschaftsbauliche Maßnahmen in Wert zu setzen und für die dort schon jetzt stattfindenden temporären Nutzungen weiter zu qualifizieren. Der hiermit vorgelegte städtebauliche – freiraumplanerische Entwurf plädiert somit dafür den Waterloo Platz neben einer qualifizierten Nutzung als Freifläche mit Eventoptionen als moderat bebaubare Fläche für Sondernutzungen vorzuhalten. Das neu gestaltete Leibnizufer bekommt durch eine Straßenbegleitende Bebauung eine neue Fassung. So entstehen einerseits ein klarer Straßenraum mit spannungsvollen Durchblicken zur Leine und zum Hohen Ufer, andererseits eine vom Verkehr unbelastete Uferzone, die Leineterrassen. Die Uferseiten treten in einen Dialog und ermöglichen das Promenieren beiderseitig der Leine, wodurch der innerstädtische Flussverlauf neu erlebt wird. Das Hohe Ufer erhält ein Gegenüber in angemessener Maßstäblichkeit mit abwechslungsreichen Vor- und Rücksprüngen. Die Bebauung des Leibnizufers wird zur Nahtstelle zwischen Altstadt und Calenberger Neustadt.

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An den Kopfenden der Neubebauung markieren Sonderbaukörper den Weg in den gefassten Uferraum. Diese Gebäude stehen als Brückenköpfe direkt am Wasser und bieten eine architektonisch besondere Qualität für semiöffentliche Nutzung. Gastronomie- oder Galerieflächen sind direkt auf Höhe des Wasserlaufes vorgesehen, um die Leine erlebbar zu machen. Die zeitgemäße und maßvolle Bebauung vis à vis zum Hohen Ufer bietet einen guten Standort für hochwertige Nutzungen wie qualitätvolles Wohnen zum ruhigen Ufer, Gastronomie, Hotels oder die Kunstszene. Durch das Zusammenspiel dieser positiven Einflussfaktoren wird die Uferzone der Leine als einer der prominentesten Orte Hannovers nachhaltig belebt und kann sich zu einem attraktiven Ort sowohl für die Bewohner als auch für Gäste entwickeln. Die Erdgeschosszonen orientieren sich gleichwertig zu beiden Seiten mit durchgesteckten Gewerbeflächen. Ihre Terrassen zum Leineufer hin machen den Standort besonders attraktiv für Gastronomienutzungen und tragen zur Belebung des Ortes bei. Die Erschließung erfolgt in erster Linie von der Straßenseite aus.

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Die Obergeschosse sind vielfältig nutzbar und bieten als offene und zu beiden Seiten orientierte Loftflächen Raum für Wohnen, Ateliers oder Agenturen, für ein Yogazentrum oder Praxen. Durch eine mehrschichtige Ausbildung der Fassade sind auch zur Straßenseite hin ruhige Schlaf- oder Arbeitsräume möglich. Die Uferseite kann mit großzügigen Terrassenflächen als Wohn- oder Repräsentationsfläche dienen. Die Ver- und Entsorgung der Gebäude erfolgt entweder über die Tiefgarage oder direkt über die Straße „Am Leibnizufer“. Die kompakten Eingangsbereiche der Gebäude bieten dabei auch Platz für Nebenfunktionen wie z.B. einen Müllraum. Der im geplanten Straßenprofil vorgesehene Park- und Haltestreifen kann sowohl die Ein- und Ausfahrt zu den Tiefgaragen mit ausreichenden Ausgleichsflächen aufnehmen als auch als Be- und Entladezone dienen. Für die Belieferung des Flohmarktes oder andere besondere Anlässe können die Flächen zwischen den Gebäuden zusätzlich als temporäre Ladezone genutzt werden. Die Leineterrassen im Gegenüber des moderat umgestaltet vorgeschlagenen Hohen Ufers mit neuem Brückenschlag qualifizieren den Freiraum als intensiv ausgestattete Grün- und Freianlagen mit hohem Aufenthalts- und Nutzungswert. Im Zuge der grünen Verbindung durch die Stadt an der Leine ergänzen die Leineterrassen die vorhandenen Angebote am Fluss durch eine innerstädtische Freianlage mit urbanem Charakter.

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Die Wegeführung führt durch mobilitätsgerechte Rampen und Freitreppen bis an das Niveau des Wassers des Flusses. Sitzterrassen im Rasen und zum Teil mit Promenadengrand befestigt orientieren den Freiraum auf den Fluss und das gegenüberliegende Ufer. Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten eröffnen sich den Menschen. Der Wasserstand der Leine ist entsprechend den Vorgaben aufgestaut und ermöglicht auf diese Weise das Terrassenufer moderat abzuböschen und damit den Wasserspiegel mobilitätsgerecht zu erreichen. Ein optionaler Schwimmponton kann zum Beispiel als Bühne temporär genutzt werden. Die Option die Leineterrassen als Forum funktional zu erschließen und für kleine Musikveranstaltungen, public-viewing, Freilichtkino und Off-Theater zu nutzen ergänzen die multifunktionale Konzeption des Entwurfs.

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Für das Hohe Ufer wird vorgeschlagen die bestehenden Treppen- und Rampenanlagen beizubehalten und lediglich den zentralen Stützmauerabschnitt unter Integration einer unter die Strasse „geschobenen“ Restauration auf Niveau der unteren Terrasse aufzuwerten. Befahrbare Oberlichter in der Oberfläche des Hohen Ufers belichten den auch im Winter nutzbaren kleinen Gastraum mit Nebenanlagen. Die Anlieferung erfolgt über einen bodenbündigen Lastenaufzug der die Niveaus miteinander verbindet. Der neu zu erstellende Mauerabschnitt kann zu dem als Projektionsfläche für Projektoren- Beamer von der Seite der Leineterrassen dienen.

Im Gegenüber des historisch bedeutsamen Hohen Ufers erinnern die neuen Leineterrassen in Konzeption und Gestaltung sowohl an den historischen Ort mit seiner ehemaligen Bebauung als auch an den geschichtlichen Ort des Nachkrieg Hannovers mit der Grünanlage am Leibnitzufer und den Skulpturen der Nanas. Die Skulpturen werden transloziert und in den Bereichen der städtebaulichen Fugen an der Strasse, prominent sichtbar vom Ufer vorgeschlagen. Die Konzeption Leineterrassen und Hohes Ufer bietet der Landeshauptstadt Hannover einen in Nutzbarkeit und Gestaltung einmaligen gefassten Freiraum im Herzen der Stadt, ganz nah am Ufer der Leine.

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