© Cez Calderan Zanovello Architetti . Published on March 24, 2011.
Die tiefe Schlucht des Trametsch Baches teilt die mittelgebirgige Terrassen des Berges und bildet zwischen Karnol und Mellaun einen geographischen Engpass, dem Sankt. Andrä seine Rolle als Hauptort des Plosebergs verdankt. Von der Talsohle aus prägen die steilen Flanken der Schlucht das Dorfbild, sie schaffen einen bewaldeten, schattigen Sockel über dem seit je die Pfarrkirche des heiligen Andreas und neulich die gewaltige Bauexpansion des Dorfes emporragen. Die geplante Umfahrungsstrasse wird den Leeraum der Schlucht überspannen und gleichzeitig ihm eine neue Räumlichkeit verleihen: durch die Strasse wird ein Natur Phänomen zu erlebbarer Landschaft. Um die Signalwirkung der Strasse gerecht zu sein wird die Umfahrungsstrasse als einem Gesamtwerk verstanden, ein einziger Baukörper vereint die Kunstbauten zu einem Viadukt. Drei Bögen hintereinander, mit zunehmend langer Stützenweite, spannen sich von der Dorfstrasse ausgehend bis zur tiefen gelegenen Kehre an der Landstrasse nach Brixen: der erste Bogen fast halbkreisförmig folgt die Rundung der Kehre und bildet einen plastischen Baukörper, der zweite Bogen spannt sich flach über der steilen Flanke des Trametsch Grabens, der letzte Bogen verjungt sich zu einem schlanken Pfeil und quert die Schlucht. Die gewählte Viadukt Lösung vermeidet dass durch gewaltige Stützmauern das Profil der Schluchtwände verunstaltet wird. Der dreieckige Querschnitt der Brücke lässt die Konstruktion filigraner aussehen, während die doppelt gekrümmte Fläche der Bögen die schrägen Sonnenstrahlen fängt und die Bildung vom dunklen Untersichten vermeidet.
Anders als von Brixen aus merkt man innerhalb des Dorfes kaum dass die Siedlung “am Rande eines Abgrundes” gebaut worden ist. Der Trametsch Bach verschwindet jenseits der Dorfstrasse abrupt nach unten aber, wegen der Dickicht der Vegetation, ist es unmöglich seinem abfallenden Lauf bis zur Talsohle hin zu folgen. Der Bau der neuen Umfahrungsstrasse bietet die Möglichkeit dieses ungeachtete Merkmal des Dorfes zu thematisieren. Nach dem Abriss der Bauwerke westlich der Dorfstrasse wird die für den Bau der neuen Strasse notwendige Modellierung des Geländes benutzt um eine Art “Ufer Promenade” entlang der Schlucht zu realisieren. Nach Norden führt eine Rampe von der Promenade unter der Kehre der neuen Umfahrungsstrasse, die Konstruktion der Brückenbau wird erlebbar, der Bogens wandelt sich in einem gewölbten Raum, von dem aus endlich Sankt. Andrä sich zu seinem atemberaubenden Panorama hin öffnet.
Technische Lösungen
Das Bauwerk für die Umfahrung besteht aus einem Viadukt mit der gesamten Struktur aus Metall, welche auf den beiden Brückenköpfen und auf zwei Mittelfundamenten aufliegt. Die Länge des Viaduktes beträgt – auf der Straßenachse gemessen – 112 m, der Viadukt ist auf 4 Felder aufgeteilt, die Breite der Fahrbahn beträgt min. 6 m, zusätzlich ist die die Fahrbahnverbreiterung in den verschiedenen Abschnitten vorgesehen, talseitig ist zudem ein Gehsteig mit Breite 1,50 vorgesehen. Der Tragbalken besteht aus einer Schale, welche aus einzelnen Elementen in Metall zusammengesetzt ist und durch eine Fachwerkstruktur ausgesteift wird, die Fahrbahn ist als orthotrope Platte ausgebildet, versteift durch Rippen aus U Profilen. Die verschiedenen Schalenelemente werden in der Form der räumlichen Bögen ausgebildet, wodurch sich eine optimale Kraftverteilung ergibt, welche im besonderen Fall aufgrund der Lage und der Form des Viaduktes erforderlich ist. Bei der Projektierung wurde nämlich nach folgenden Kriterien vorgegangen: Einfügung eines einheitlichen Bauwerkes in das Gelände bei Überwindung einer nicht unerheblichen Steigung und einer lagemäßig erheblichen Verwindung aufgrund der Ein- und Ausfahrten, bzw. Anschlüsse an die bestehenden Strassen; Vermeidung von Dehnfugen auf der Fahrbahn; Beschränkung der Auflagerpunkte auf ein Minimum in Anbetracht der schwierigen Geländebeschaffenheit; Achtsamkeit auf Detaillösungen vor allem auch in ästhetischer Hinsicht; Dauerhaftigkeit des Bauwerkes und größtmögliche Einfachheit für Instandhaltung. Das statische System ist ein durchgehender Tragbalken, welcher auf dem bergseitigen Brückenkopf eingespannt ist, mit den zwei Mittelpfeilern starr verbunden ist, um die durch die Ausmittigkeit gegebene Torsion aufzunehmen und am talseitigen Brückenkopf in Längsichtung beweglich gelagert ist. Die Schalenelemente, welche durch die Verschweißung den durchgehenden Tragbalken ergeben, sind durch die Fachwerkquerelemente ausgesteift, welche auch die Torsion übernehmen und im Bereich der Stützen die Kräfte auf die Fundamente ableiten. Die Verbindung mit den Fundamenten der Mittelsäulen ist aus statischer Sicht durchgehend, um zum Einem die sich aus der Verwindung ergebenden Kräfte ableiten zu können und zum Anderen die Steifigkeit der Struktur herzustellen. Die Fundamente werden durch geeignete Zuganker, zum Teil vorgespannt, mit dem Untergrund verankert.