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Bochum, Germany

Das Musikzentrum im ViktoriaQuartierBochum

HASCHER JEHLE Architektur, Kathleen Behrendt, Johannes Raible, Anne Schäfer, Christian Speelmanns

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Musikzentrum Bochum

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ENTWURF

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STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG Kirche und Konzertsaal heben sich als Solitäre auf dem Marienplatz hervor. Das gemeinsame verbindende Element des Foyers umspielt dabei den neuen Konzertsaal und schafft einen Raum zwischen Kirche und Konzerthaus. Die bisher undefinierte Stadtbrache des Marienplatzes erhält so eine adäquate städtebauliche Fassung und kann nun als Marien-“Platz“ tatsächlich wirken.

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Die südliche Begrenzung des Marienplatzes (Brandwand) wird durch einen Neubau aufgewertet und räumlich klar gefasst. Der durch die städtebauliche Arrondierung der südlich gelegenen Gebäudestruktur geschaffene Neubau könnte das Musikzentrum ergänzende Nutzungen, wie zum Beispiel Räume für die Musikschule Bochum, Workshop-, Seminar-, Konferenzräume und die Konzerthausverwaltung aufnehmen. Alternativ wäre auch eine kommerzielle Nutzung (Büro, Wohnen, Gewerbe, Gastronomie) zur Gegenfinanzierung der Neubaumaßnahmen denkbar. Der Entwurf lässt durch seine schonende, mäandrierende Gebäudeform die weitestgehende Erhaltung des vorgefundenen Baumbestandes zu.

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NEUER MARIENPLATZ Konzertsaal und Foyer bilden zusammen mit der bestehenden Marienkirche einen gemeinsamen Vorplatz aus. Eine leicht ansteigende Freitreppe empfängt die Besucher und führt sie niveaugleich in die einzelnen Veranstaltungsräume. Der neue Marienplatz schafft eine Aufenthaltsqualität für Konzertbesucher, Bochumer und Spaziergänger. So dient der Platz sowohl als Außenbereich des Foyers, durch seine leichte Anhebung aber auch als Treffpunkt und Ruhezone an der stark befahrenen Viktoriastraße. Am ehemaligen Haupteingang westlich der Marienkirche entsteht ein kleinerer, geschützter Platz, der im Sommer für Open-Air-Veranstaltungen genutzt werden kann. Durch die gläserne Fassade des Foyerkörpers bleibt dabei immer eine Sichtbeziehung zwischen beiden Plätzen gegeben.

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ERSCHLIESSUNG Die durch das Gebäudeensemble gebildeten Vorplätze definieren gleichzeitig die Eingangssituationen. Der Haupteingang ist von dem größeren, östlich gelegenen Platz an der Viktoriastraße aus erreichbar. Von der Humboldtstraße aus ist ein Nebeneingang über den kleineren Open-Air-Platz zum gemeinsamen Foyer geplant. Künstlereingang und Anlieferung befinden sich auf der etwas tiefer gelegenen Westseite an der Humboldtstraße. Große Teile des Foyers und des Konzertsaals sowie die Marienkirche befinden sich auf dem selben Höhenniveau. Das Foyer umfließt den Konzertsaal und begleitet die innere Höhenentwicklung des Saales. An der Viktoriastraße öffnet und präsentiert sich der Neubau mit dem umlaufenden Foyer zur Stadt. Es entstehen vielfältige Blickbeziehungen zwischen Innen und Außen. Der Entwurf vermittelt einen offenen einladenden Eindruck – das Gebäude wird von außen als offenes Haus wahrgenommen. Das Foyer wird das Fenster zur Stadt. Durch den südlichen Neubau entsteht entlang des Konzerthauses eine befahrbare Privatstraße, die sowohl vom Anlieferverkehr des Neubaus als auch von der Feuerwehr genutzt werden kann.

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Zusammen mit der Humboldtstraße im Westen, der Viktoriastraße im Osten und der oberhalb der Kirche gelegenen Marienplatz-Straße ergibt sich eine großzügige Feuerwehrumfahrung für das Musikzentrum.

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SYNERGIE KONZERTHAUSMARIENKIRCHE Foyer und Backstagebereich werden zwischen dem neuen Konzertsaal und dem Multifunktionsraum platziert. So sind beide Bereiche sowohl für den großen Konzertsaal als auch für den Multifunktionssaal auf kurzem Wege erreichbar. Durch die Nutzung und Reaktivierung eines kurzen Teilstücks des vorhandenen Stollensystems kann der Chor der Marienkirche direkt an den Backstagebereich (inkl. Chorumkleiden) angeschlossen werden. Die Verbindung zwischen den beiden Sälen erfolgt für Besucher und Künstler getrennt auf unterschiedlichen Geschossen.

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MULTIFUNKTIONSSAAL Die Marienkirche wird zum Multifunktionssaal umgenutzt. Um adäquate akustische Verhältnisse für die unterschiedlichen musikalischen Darbietungen zu schaffen, wird ein flexibles Trennwandsystem vorgesehen. Auf diese Art lässt sich das große Innenraumvolumen der Kirche äußerst flexibel auf den jeweiligen Bedarf anpassen. Eine Bespielbarkeit für 70 bis maximal 500 Zuhörer ist mit diesem System realisierbar. Hierdurch ergibt sich noch ein viel weiteres Spektrum an Nutzungen und eine viel höhere Flexibilität als vom Auslober bisher angedacht. Um die Wirkung des Kirchenraumes so wenig wie möglich zu beeinträchtigen sind die Trennwände als hohe, großformatige Glaslamellen vorgesehen. Die vorgefundene Vertikalität des Innenraumes wird hiermit zusätzlich unterstrichen. Die Gläser erhalten eine leichte Färbung und nehmen das Motiv der Kirchenfenster auf. Von der Decke werden flexibel verfahrbare Akustiksegel abgehängt, um das Raumvolumen nach oben hin zu begrenzen und die gewünschten Nachhallzeiten zu erreichen.

VERWALTUNG Für die Verwaltung werden drei Varianten angeboten. Um eine direkte Verbindung der Symphoniker mit ihrer Verwaltung zu gewährleisten, könnten die Räumlichkeiten in die Dachlandschaft oberhalb der Nebenräume des Musikzentrums integriert werden. Entsprechend müsste die Dachlandschaft angehoben und geformt werden. Dies böte der Verwaltung die Möglichkeit von Blickbeziehungen in das Foyer. Als wohl schönste, und auch räumlich nahe Variante, wird der Ausbau des Kirchendachstuhls vorgeschlagen. Die Erschließung könnte über ein eingefügtes Treppenhaus im Kirchturm erfolgen. Die Verwaltung säße so in unmittelbarer Nähe, gleichwohl aber „über den Dingen“ mit einem traumhaften Blick auf den neuen Konzertsaal. Als dritte Variante wird die Nutzung des südlichen Neubaus angedacht. Um trotz der getrennten Gebäude eine räumliche Verbindung zu schaffen, könnten die Häuser im Bereich der Hinterbühne unterirdisch angebunden werden. Auch hier bietet sich der Verwaltung ein direkter Blick auf den Konzertsaalneubau.

FASSADE Die Marienkirche wird mit dem Konzertsaal um einen weiteren Solitär ergänzt. Kirche und Konzertsaal bilden zusammen ein städtebauliches Ensemble und eine architektonische Einheit. Die Marienkirche behält dabei ihr Äußeres und Inneres Erscheinungsbild weitgehend bei. Der Konzerthauskörper erhält eine gefaltete, vertikale Fassade aus dunklen, reliefartigen Basaltelementen. Die Vertikalität der Fassade spiegelt dabei die Strebepfeiler der Kirche, das Aufstreben des Kirchturms und deren großformatige Fenster wider. Der neue Marienplatz erhält so ein gegliedertes Auf und Ab – Konzerthauskörper, flaches verbindendes Foyer, Kirche.

Das gläserne Foyer steht auf einem schlichten Sichtbetonsockel, auch das gefaltete, umlaufende Dach hebt sich mit einer vorgeblendeten Sichtbetonkante vom Konzerthauskörper ab.

INNENRAUM MUSIKZENTRUM BOCHUM Ähnlich der Foyerfassade ist auch das Innere des Foyers in schlichter Formensprache gehalten. Garderobe und Pausengastronomie, sowie die Treppenstufen im Foyer, werden als hochwertige Holzeinbauten konzipiert. Der Fußboden des Foyerbereiches erhält einen hellen, fein geschliffenen Fliesestrich, der die Leichtigkeit des eingeschossigen Foyerbaues unterstützt. Der Konzertsaal nimmt das äußere Thema der gefalteten Vertikalität auf und nutzt sie als akustische Elemente. Auch diese sekundären Akustikelemente werden in einem dunklen, ansprechenden Farbton ausgeführt, so dass der Fokus des Betrachters auf der hellerleuchteten Bühne und ihren Protagonisten liegt. Als Kontrast zu den dunklen Außenwänden erhalten die Balustraden einen goldig-schimmernden Ton, der die hochwertige Klangqualität und Architektur des Konzertsaales hervorhebt.

AKUSTK

GROSSER SAAL Der Entwurf für den Konzertsaal weißt optimale akustische Bedingungen für den angestrebten Zweck als Spiel- und Probestätte der Bochumer Symphoniker auf.

RAUMVOLUMEN UND PRIMÄRFORM Das ausreichend große Raumvolumen ist Voraussetzung für die angestrebte Nachhallzeit in einem Konzertsaal, da sich die Absorption des Publikums maßgeblich auf die Nachhallzeit auswirkt. Bei einem für den angestrebten Nutzungszweck zu großen Raumvolumen und damit einer zunächst zu langen Nachhallzeit besteht zwar die Möglichkeit die Nachhallzeit durch absorbierende Flächen zu reduzieren, hierbei besteht jedoch die Gefahr, dass die für die gewünschten frühen Erstreflexionen benötigten Flächen deutlich reduziert werden. Bei einem geeigneten Raumvolumen – was bei sinfonischer Musik bei 10 bis 12m³/Platz liegt – werden zum Erreichen der gewünschten Nachhallzeit von ca. 1,8 bis 2,1 s kaum breitbandig absorbierende Flächen benötigt. Der vorliegende Saalentwurf hat ein Volumen von ca. 12.600m³ und erreicht somit bei einer Besetzung von 1.050 Personen, einschließlich Orchester/Chor, eine für sinfonische Nutzung optimale Volumenkennzahl von 12m³ pro Platz.

Als Primärform wurde eine längliche, annährend rechteckige Grundrissform mit leicht abgewinkelten Längs- und Stirnwänden gewählt. Das Publikum gruppiert sich in mehreren terrassenförmig ansteigenden und gegeneinander versetzten Rängen (Annährung an das „Weinbergprinzip“) um die Bühne herum, wobei jedoch noch eine klare Hauptausrichtung zu erkennen ist. Das Orchester rückt bei diesem Entwurf näher ins Zentrum des Geschehens, wodurch eine größere Nähe und damit eine intimere Beziehung zwischen Publikum und Vortragenden entsteht. Durch die unterschiedlich im Raum angeordneten Ränge besteht die Möglichkeit, besonders bei modernen Kompositionen (Karl-Heinz Stockhausen, Luigi Nono, John Cage etc.), einzelne Musiker, Musikergruppen oder bei Kompositionen mit Live-Elektronik Lautsprecher im gesamten Raum zu platzieren, wodurch eine noch größere Klangvielfalt und Intimität zwischen Zuhörer und Orchester entsteht.

Mit einer Abmessung von 19 bis 23m (20m im Bühnenbereich) in der Breite, 36m bis 40m in der Länge und 14 bis 17m in der Höhe und den seitlichen „Zwischenwänden“ der terrassenförmigen Ränge ist eine optimale Versorgung aller Plätze mit frühen, energiereichen Erstreflexionen und eine gleichmäßige Schallverteilung im Raum sichergestellt. Die Abmessungen entsprechen demnach auch den Vorgaben der Auslober.

Die terrassenförmig ansteigenden Ränge und das ansteigende Gestühl innerhalb des Parketts und der Ränge stellen eine gute Sichtverbindung von jedem Platz zur Bühne und damit auch gute Hörbedingungen sicher.

Das gegenseitige Hören ist unverzichtbar für ein optimales Zusammenspiel der Orchester-/ Chormitglieder und des Dirigenten und damit auch Grundvoraussetzung für gute Musikdarbietungen. Um dies zu erreichen sind im Entwurf folgende schallreflektierende Flächen im Nahbereich der Bühne vorgesehen, welche die Musiker mit energiereichen Erstreflexionen versorgen und damit das Zusammenspiel fördern:

- reflektierende Flächen seitlich und hinter den Musikern mit einer Höhe von ca. 2,6m, Entfernung von Bühnenmitte ca. 7m bis 9m - einzelne konvex gebogenen Deckensegel in einer Höhe von ca. 10m über der Bühne (Höhe und Neigung können bei Bedarf variabel eingestellt werden) SEKUNDÄRSTRUKTUR UND BESTUHLUNG Neben der Nachhallzeit, ist die Diffusität eines der wichtigsten raumakustische Parameter. Sie ist mitverantwortlich für eine gleichmäßige Schallverteilung und den Raumeindruck.

Der Entwurf sieht eine vertikale Gliederung der Wandoberflächen und eine Strukturierung der Decke vor, die eine hohe Diffusität erwarten lassen. Teile der Wandflächen sind als Tiefenabsorber aus unterschiedlich dicken Holzwerkstoff- oder Gipskartonplatten mit einer Seitenlänge von > 1m geplant. Diese Plattenschwinger wirken im mittleren und oberen Frequenzbereich reflektierend und absorbieren den Schall im unteren Frequenzbereich. Für eine breitbandigere Absorption werden die Platten fein gelocht oder geschlitzt ausgebildet. Aufgrund der optimalen Volumenkennzahl werden zum Erreichen der gewünschten Nachhallzeit jedoch nur sehr wenige Wandflächen breitbandig absorbierend ausgeführt und deren Anordnung mit den gewünschten Seitenreflexionen abgestimmt. Teile der Wandflächen stehen darüber hinaus für flexible Akustikelemente zur Verfügung, mit denen eine Nachhallzeitspreizung erreicht werden kann. Die Elemente können schwenk- oder klappbar ausgeführt werden, sodass je nach Anforderung mehr oder weniger breitbandige Absorptionsflächen vorhanden sind und damit die Nachhallzeit reduziert werden kann. Auch besteht die Möglichkeit, Teile der strukturierten Wandoberflächen zu öffnen und dadurch ein dahinter liegendes Volumen an den Saal anzukoppeln, wodurch die Nachhallzeit angehoben werden kann.

Die Decke besteht aus großen streifenförmigen Elementen die quer zur Hauptausrichtung des Saales die Decke strukturieren. Sie unterstützen den Direktschall indem sie mit Ihrer optimalen Neigung den Schall auch auf die weiter entfernten Publikumsplätze lenken.

Damit die Nachhallzeit nicht von dem Besetzungszustand abhängig ist, wird das Gestühl hochabsorbierend ausgeführt. Damit wird sichergestellt, dass auch während der Proben das gewohnte akustische Umfeld gegeben ist.

SCHALLSCHUTZ Äußere Einflüsse wie Lärm und Schwingungen müssen durch entsprechenden Maßnahmen vom Inneren des Konzertsaales ferngehalten werden. Um dies zu erreichen, ist der Saal als Raum-in- Raum-Konstruktion geplant. Die innere Schale wird mit einer Gebäudefuge weitestgehend von der äußeren Tragschicht entkoppelt. Auflagepunkte werden körperschallisoliert gelagert. Die Zugänge zum Saal sind als Schleusen geplant, sodass sichergestellt wird, dass während eines Konzertes keine Schallübertragung z.B. aus dem Foyer oder den Fluren über die Türen erfolgen kann.

MULTIFUNKTIONSSAAL Um den Kirchenraum als Multifunktionssaal nutzen zu können, sieht der Entwurf eine Haus-in-Haus-Lösung vor. Hierfür sind in der Ebene der Stützenreihen um die eigene Achse schwenkbare, verfahrbare, farbige Glaswände vorgesehen, mit denen ein separates gläsernes Raumvolumen im Kirchenraum gebildet werden kann ohne den Bezug zum Kirchenraum zu verlieren. Das gläserne Raumvolumen beträgt (bei der im Präsentationsplan dargestellten Variante) ca. 1.750m³, womit im vollbesetzten Zustand (225 Personen inkl. Musiker) eine Volumenkennzahl von 7,8m³ pro Platz erreicht wird – ein für Kammermusik, Multifunktionsnutzung und Probenbetrieb geeigneter Wert. Den oberen „losen“ Abschluss der gläsernen Box bilden Akustiksegel, die variabel von der Decke abgesenkt werden können.

Eine Variabilität der Nachhallzeit kann dadurch erreicht werden, dass die Vorder- und Rückseite der schwenkbaren Glaselemente akustisch unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Die Vorderseite ist glatt und damit schallreflektierend (konventionelle Glasoberfläche), wohingegen auf der Rückseite dünne, fein perforierte Acrylglasscheiben in einem Abstand von ca. 10cm vor der Glasscheibe angeordnet sind. Je nach Anforderung können die um 180° um die eigene Achse drehbaren Glaswände entweder mit der absorbierenden Fläche (kurze Nachhallzeit) oder mit der glatten reflektierenden Fläche zum Innenraum angeordnet werden. Eine weitere Verlängerung der Nachhallzeit ist möglich, indem die Wände nur um 90° gedreht werden und die Deckenreflektoren unter das Kirchendach gefahren werden. In diesem Fall verschwimmt das Glasvolumen mit dem angrenzende Kirchenraumvolumen, wodurch die lange Nachhallzeit der Kirche zum tragen kommt.

Der besondere Reiz dieser Konstruktion liegt darin, dass ein separater Innenraum mit einer eigenen Akustik erzeugt werden kann und zugleich, durch das hohe Maß an Transparenz, der Kirchenraum erlebbar bleibt.

TRAGWERKSKONZEPT

Der zentrale Baukörper des Gebäudes und somit auch des Tragwerkes ist der Konzertsaal. Seine leicht geneigten Umfassungswände bilden einen polygonalen Ring und sind in Stahlbeton vorgesehen. Darauf sitzt ein mehrfach geknicktes Stahltragwerk in Form eines zweiachsigen Trägerrostes, der die äußere Kontur abbildet und dessen Bauhöhe entsprechend des Beanspruchungsverlaufes variiert. Durch die Ringwirkung der Sockelkonstruktion kann eine Schalenwirkung aktiviert und somit ein Teil der Lasten wirtschaftlich über Druckkräfte abgetragen werden.

Der Rost trägt den oberen Raumabschluss in Form von Trapezblechen, auf denen Dämmung und Dichtung angebracht sind, sowie die Unterdecke mit allen technischen und akustischen Einbauten. Die abgestuften Tribünenkonstruktionen werden als gefaltete Flachdecken ausgebildet, die auf die Wände des Untergeschosses ablasten. Das Dach der angelagerten Foyer- und Erschließungszonen ist an die Umfassungswände des Konzertsaales angeschlossen und durch diese ausgesteift. Nach außen hin tragen schlanke Betonstützen die Deckenplatte. Der gesamte Baukörper ruht auf einem massiven Untergeschoss in Stahlbetonbauweise. Die Gründung erfolgt auf Einzel- und Streifenfundamenten, die mittels Magerbetonsäulen auf die Schichten des unverwitterten Festgesteines geführt werden.

ENERGIEKONZEPT

Die wesentliche Anforderung an ein nachhaltiges Haustechnikkonzept ist im Rahmen des vorliegenden Wettbewerbs die effiziente Konditionierung des großen Raumvolumens des Konzertsaals. Dabei sind die wenig konstanten Nutzungszeiten sowie die – im Belegungsfall – hohe Belegungsdichte, besonders zu berücksichtigen.

Die bauphysikalischen Eigenschaften des Gebäudes sowie auch sämtliche haustechnische Komponenten, orientieren sich am Passivhausstandard und übertreffen damit die Vorgaben der EnEV 2009.

LÜFTUNG Die Be- und Entlüftung erfolgt mechanisch. Die Lüftungsgeräte befinden sich in einer Lüftungszentrale welche sich direkt unter dem Konzertsaal befindet. Somit ist die lufttechnische Versorgung auf kurzen Wegen möglich (kurze Kanallängen, geringe Druckverluste, hohe Energieeffizienz). Die Außenluft wird über ein gebäudeintegriertes Außenbauwerk in einer Höhe von drei Metern über dem Erdboden angesaugt. Die Fortluft wird über ebenerdig verbaute Gitterroste an einer geeigneten Gebäudeaußenseite ins Freie geführt. Optional können die Lüftungs- und Klimageräte an ein Erdluftregister angeschlossen werden. Dieses ermöglicht eine Vortemperierung der Außenluft im Winter sowie eine Vorkühlung im Sommer. Zur Reduzierung der mittels reversibler Wärmepumpen mechanisch erzeugten Kälte werden die zentralen Lüftungsgeräte mit adiabatischen Kühlsystemen in Verbindung mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung (größer 85 %) ausgerüstet.

NACHTAUSKÜHLUNG Zur Entwärmung des Gebäudes in den Sommermonaten wird die Möglichkeit der Nachtauskühlung vorgesehen. Ein automatisch gesteuertes Klappensystem in der Fassade und den Zwischenwänden ermöglicht eine intensive Durchströmung des Gebäudes (Konzertsaals) während der Nachtstunden. Hierbei erfolgt eine Entwärmung der tagsüber aufgeladenen Speichermassen des Gebäudes. Damit kann eine Dämpfung der Temperaturspitzen während der Nutzungszeit erreicht werden.

BELÜFTUNG DES KONZERTSAALS Die Belüftung des großen Saales erfolgt über Quellluftauslässe an den Stuhlfüßen der Saalbestuhlung. Die Abluft wird über Schattenfugen im Deckenbereich abgesaugt.

WÄRME- UND KÄLTEERZEUGUNG Die Wärmeerzeugung erfolgt mittels Fernwärme. Diese liegt in unmittelbarer Nähe zum Wettbewerbsgebiet an und leistet aufgrund seines geringen Primärenergiefaktors einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes. Zur Kälteerzeugung werden hocheffiziente, ölfreie und magnetgelagerte Turbokältemaschinen eingesetzt. Diese werden so ausgelegt, dass sie weitestgehend im Teillastbetrieb fahren und somit einen überdurchschnittlich hohen Wirkungsgrad erreichen. Die Turbokältemaschinen werden über Hybridrückkühler gekühlt. In den Übergangszeiten (Frühjahr und Herbst), sowie während der kühlen Nachtstunden im Sommer, werden diese ohne aktive Nutzung der Kältemaschine im Freien Kühlbetrieb gefahren um die thermisch aktiven Bauteile mit Kälte zu versorgen. Zur Sicherstellung einer hohen Behaglichkeit für den Nutzer werden im Gebäude größtenteils thermisch aktivierte Speichermassen vorgesehen und zur Grundbeheizung sowie -kühlung genutzt. Zur Abdeckung der Spitzenlasten wird eine Fernwärmeübergabestation vorgesehen. WÄRME- UND KÄLTEÜBERGABE AUF RAUMEBENE Die Kühllasten werden ergänzend zur Quelllüftung über eine geräuscharme Fallschachtkühlung aus dem Saal abgeführt. Diese ist unsichtbar in der akustisch wirksamen Doppelwand des Saales integriert. Die Grundbeheizung des Saales wird über aktive Speichermassen sichergestellt. Zur Schnellaufheizung des Saales wird vor der Nutzung die Lüftungsanlage aktiviert.

NACHHALTIGKEITDGNB-ZERTIFIZIERUNG Im Hinblick auf die angestrebte DGNB-Zertifizierung wird der energetische Standard des Gebäudes so konzipiert, dass die Anforderungen der EnEV 2009 um 40% unterschritten werden. Damit wird gleichzeitig eine sehr gute Grundlage für die geforderten, niedrigen Lebenszykluskosten und eine hervorragende Ökobilanz geschaffen. Außerdem erfolgt die Auswahl sämtlicher Baustoffe und Bauprodukte nach den Anforderungen des DGNB-Zertifizierungssystems. Das gesamte Planungsteam verfügt über große Erfahrungen in allen Bereichen des Nachhaltigen Bauen, im Speziellen über die Zertifizierung nach dem System der DGNB (DGNB-Auditoren).

MULTIFUNKTIONSSAALMARIENKIRCHE Für die Beheizung des Multifunktionsraumes in der Kirche schlagen wir die Installation einer Fußbodenheizung vor. Diese ist aus Kostengründen nur für den mittleren Kirchenraum vorgesehen. Der Bodenaufbau wird mit möglichst geringer Überdeckungshöhe zu den wärmeführenden Rohrleitungen vorgesehen, damit die Reaktionszeit, dieses ansonsten relativ trägen Systems, verringert wird. Die Versorgung der Fußbodenheizung erfolgt über eine eigene Heizungszentrale in der sich eine Fernwärmeübergabestation mit zugehöriger Speicher-, Regelungs- und Verteilertechnik befindet. Diese Zentrale befindet sich im Untergeschoss unter dem Chor der Kirche in einem der dort vorhandenen Räume.

Eine mechanische Belüftung des Multifunktionssaales wird nicht vorgesehen. Der Multifunktionsraum ist nach oben hin nur durch Akustiksegel begrenzt und steht lufttechnisch mit den angrenzenden Flächen im Austausch. Somit steht das gesamte Luftvolumen für die anwesenden Personen zur Verfügung. Aufgrund der vorhanden Bausubstanz der äußeren Hülle ist außerdem davon auszugehen, dass genügend Frischluft durch Fugenlüftung und Undichtigkeiten nach Innen nachströmt.

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