© AllesWirdGut Architektur . Published on July 10, 2012.
The “world values” of the project can be described with the concepts of clarity, intensity, sensuality, lightness, and efficiency. The seat of the provincial government office takes a special place within the former Gossen area in the city center of Erlangen. The redevelopment of the entire area will be upgraded structurally and this building forms the linchpin of the urban neighborhood development. Accordingly, we propose to build the new state office building in correspondence to the public use and provide an open space for a collective appropriation.
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1. Städtebau
1.1. GEDANKEN
Die „Wertewelt“ des Projekts lässt sich mit den Begriffen Klarheit, Intensität, Sinnlichkeit, Leichtigkeit, und Sparsamkeit umschreiben. Städtebaulich nimmt das Landesratsamt eine Sonderstellung innerhalb des ehemaligen Gossen-Areals ein. Durch die Neubebauung wird das Gesamtareal strukturell aufgewertet, der Neubau bildet dabei den städtebaulichen Dreh und Angelpunkt der Quartiersentwicklung. Dementsprechend schlagen wir für den Neubau des Landesamts Erlangen eine Bebauungsform vor, die der öffentlichen Gebäudenutzung entspricht und der Bevölkerung ein Freiraumangebot zur kollektiven Aneignung bietet.
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1.2. SOLITÄR
Ein kleeblattförmiger Baukörper definiert mehrere Eingangssituationen, die alle in einer gemeinsamen Mitte münden. Die Erschließung reagiert auf regionale und überregionale Bezüge und bildet einen Knotenpunkt aus, wichtige innerstädtischen Verbindungen werden verknüpft, allseitig Vorplätze und Eingangssituationen geschaffen, die den öffentlichen Raum qualitativ ergänzen und aufwerten.
Somit wird bereits in der städtebaulichen Grundform des Neubaus der Grundstein für ein übersichtliches Amtsgebäude gelegt, das alle vorhandenen Publikumsströme in selbstverständlicher Weise leitet und auf kürzestem Weg zur zentralen Eingangshalle führt.
Durch das Abrücken der Fassaden von den unmittelbaren Grundgrenzen werden zudem die Belichtungs- und Ausblicksituationen für alle Arbeitsplätze innerhalb des Landratsamts deutlich verbessert.
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2. Räumliche Organisation
2.1. VERTIKALE ORGANISATION
Das Gebäude gliedert sich in ein öffentliches, allseitig betretbares, transparentes Erdgeschoß und die Büroräume der einzelnen Abteilungen in den Obergeschossen. Die Schichtung dieser Abteilungen im Gebäude ergibt sich aus den Anforderungen an den Publikumsverkehr.
Durch die Einführung eines zentralen Luftraums und der Anordnung der Haupterschließung um dieses Atrium wird die nötige Orientierung und Übersichtlichkeit innerhalb des Amtsgebäudes gewährleistet. Zudem erhält der Innenraum neben Tageslicht in der Haupterschließung auch die nötige Luftigkeit und Offenheit, die einem zeitgemäßen modernen Verwaltungsbau entspricht.
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2.2. HORIZONTALE ORGANISATION
Geschoßweise entwickelt sich das Landratsamt von der zentralen Mitte ausgehend strahlenförmig nach Außen. Der Öffentlichkeit und den Anforderungen an den Publikumsverkehr kann somit auch in der Organisation am jeweiligen Geschoß entsprochen werden. Rund um das Atrium werden geschossweise die Serviceeinheiten angesiedelt und die Vertikalerschließung in Form einer großzügigen Freitreppe und der Aufzugskerne vorgesehen.
Jeder der fingerartigen Baukörper wird von einer Abteilung besetzt, welche erst ab einer bestimmten Abteilungsgröße mehrgeschossig organisiert und über die Kerne intern verbunden werden können. Damit werden neben Übersichtlichkeit auch kurze Wege gewährleistet. Vielfältige abteilungsinterne Nutzungszusammenhänge aber auch der übergreifende Austausch und die hausinterne Kommunikation werden so über den zentralen Innenraum ermöglicht und durch die architektonische Gestaltung gefördert.
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Dabei bleibt die Gesamtstruktur vollkommen flexibel und die Grenzen der Abteilungen für Anpassungen variabel. Basierend auf einem1,35m Büro-Achs-Raster sind in jedem Geschoss unterschiedlichste Raumkonfigurationen möglich, Zellenbüros unterschiedlichster Größe, Gruppen- und Kombibüros bis hin zu Großraumstrukturen können um eine innere Kernzone je nach Erfordernis frei eingeteilt werden.
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2.3. ERDGESCHOSS
Über das Foyer im Erdgeschoß werden alle Eingänge in einer zentralen Halle gefasst. Hier befindet sich die Information, vom Foyer ausgehend erreicht man auf kürzestem Weg alle öffentlichen Nutzungen des Gebäudes und die Abteilungen mit der höchsten Besucherfrequenz, die erdgeschossig in den jeweiligen Gebäudeflügeln untergebracht sind.
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Süd: Multifunktionsbereich und Cafeteria. Ost: Sitzungssäle inklusive Nebenräume. Nord: Amt für Zulassung West: Amt für Kinder, Jugend und Familie Nord- und westseitig sind außerdem die vermietbaren Reserveflächen situiert und diese sind somit auch von außen erreichbar. Durch dieses Organisationsprinzip wird auch die Bespielung und Nutzung der Vorbereiche im Außenraum gefördert, wobei die südwestseitige Terrasse der Cafeteria das Potential zukommt, ein Quartierstreffpunkt zu werden.
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2.4. UNTERGESCHOSSE
In einer zweigeschossig organisierten Tiefgarage werden alle erforderlichen Pkw- Stellplätze untergebracht. Die Erschließung der Garage erfolgt über die Güterbahnhofstraße, im Zufahrtsbereich werden auch die oberirdischen Parkierungsflächen vorgesehen. In den Untergeschossen werden die zentrale Registratur sowie alle notwendigen Haustechnikräume, Archiv- und Lagerräume untergebracht.
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3. Architektur
3.1. FASSADE
Die Gestaltung des Neubaus unterstreicht den städtebaulichen Solitär in Form einer homogenen Fassade, welche an allen vier Seiten identisch ist und nur in der Farbgebung leicht variiert.
Wir schlagen eine durchgängige glatte Glasfassade mit vorgesetzten Aluminiumlamellen als Sonnenschutz vor, diese Lamellen reflektieren die Umgebung und verleihen der Fassade eine angenehme Tiefe.
Jeder der 4 Gebäudeflügel wird in einer eigenen Farbe nuancierend gestaltet, wodurch sich Farbverläufe innerhalb der umlaufenden Gebäudehülle ergeben. Dadurch kann auf sehr subtile Weise auf die jeweilige Orientierung und Nachbarschaft auch in der Farbgebung reagiert werden.
Außerdem wird eine Verortung der jeweiligen Abteilung ermöglicht, wenn beispielsweise das Farbthema des jeweiligen Flügels auch im Inneren in die Gestaltung des Leitsystems aufgenommen wird.
Die dahinter liegende thermische Fassadenkonstruktion ist horizontal gegliedert und wird durch die innere Struktur (Geschossdecken, Parapete, Fenster) bestimmt. Die Glasfassade besteht aus transparenten und emaillierten Bändern in abwechselnder Reihenfolge, die Hülle erreicht hervorragende thermische Kennwerte.
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2.3. DACH
Das Dach wird als fünfte Fassade als extensives Gründach ausgeführt. Dies verbessert die Retention bei Niederschlägen, das urbane Mikroklima und unterstreicht das Bekenntnis des Bauherren zu nachhaltiger Architektur.
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3.4. FREIRAUM
Der Freiraum um das Gebäude herum verzahnt auf organische Weise städtisches Umfeld, Eingänge und Aufenthaltsbereiche sowie verschiedene dienende Funktionen miteinander.
Ein Materialwechsel zwischen städtischem Pflasterbelag und feinkörnigem Asphalt signalisiert den Übergang vom urbanen Raum des Gossenquartiers zum unmittelbaren Gebäudevorfeld. Als Vorfeld und Erweiterung des transparenten Erdgeschosses umspielt die asphaltierte Empfangszone mäandrierend das gesamte Gebäude. Das Bodenmaterial des Foyers setzt sich in Farbgebung und Körnung in dem anschliessenden Asphaltbelag fort. Der Belagsübergang separiert auf dezente Weise Zufahrts- und Bewegungsbereiche von den Zonen, die dem kurz- und langfristigen Aufenthalt im Gebäudeumfeld dienen. Hier besteht auch die Möglichkeit eines Freisitzbereiches für die Cafeteria.
Locker eingestreute kleinkronige Laubbäume und Sitzbereiche in Eingangsnähe tragen zur Besucherleitung und Herausbildung einladender Eingangssituationen bei.
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Im Zusammenspiel mit den vier von der Straße her eingeschobenen und auf die Situation des jeweiligen Hofes abgestimmten Landschaftssegmenten entsteht eine Gesamtlandschaft einheitlicher Formensprache und differenzierter Nutzungsmöglichkeiten. Die Segmente prägen das äussere Erscheinungsbild des Grundstücks durch ihre sanfte Oberflächenneigung zur Straße hin. Vom bodenbündigen Übergang zum Gehweg aus entwickelt sich der Rahmen der Segmente bis auf Sitzhöhe und erzeugt jeweils im gebäudenahen Bereich einen geschützten Aufenthaltsraum. Ihre Landschaftsoberfläche ist von aussen einsehbar und trägt zu einem grünen Erscheinungsbild der Hofsituationen bei. Zugleich entstehen intimere Eingangssituationen im Gebäudevorfeld. Drei der Segmente erhalten eine robuste, atmosphärisch wirksame Bepflanzung, in Kombination mit locker gestellten Hainen. Das südöstlich eingeschobene Segment betont die besondere Situation und Nähe zum Stadtzentrum durch ein Urbanität ausstrahlendes Wasserspiel. Die geneigte Oberfläche wird durch einen feinen Wasserfilm benetzt, der ein reflektierendes Highlight am Eingang des Hofes und im Übergang zu den weiteren Bauabschnitten des Gossenareals bildet.
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4. Energetisches Konzept
4.1. FASSADENKONZEPT
Die bauphysikalische Fassadenkonzeption des Baukörpers verbindet exzellenten Wärmeschutz mit effizientem Sonnen- und Blendschutz und guter Tageslichtversorgung der Büroräume. Die Wärmeverluste über die Hüllfläche werden durch optimierte Trakttiefen und die Integration des zentralen Atriums minimiert.
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Die hoch gedämmten Fassaden sind mit 3-fach Wärmeschutzverglasung und einem externen Sonnenschutz ausgestattet. Die direkt vor der Verglasungsebene positionierten Vertikallamellen sind sehr witterungsstabil und ermöglichen einen guten Außenbezug. Eine natürliche Stosslüftung über Öffnung der Fensterflügel ist im Sommerfall zusätzlich möglich. Das Kunstlicht wird Tageslicht abhängig gesteuert, der Stromeinsatz für Beleuchtung somit minimiert. Das zentrale Atrium erhält im Dachbereich eine 3-fach Verglasung mit selektiver Sonnenschutzbeschichtung. Unterhalb dieser Verglasungsebene befindet sich ein textiler Sonnenschutz, der eintretende solare Strahlung reflektiert. Über im Dachbereich angeordnete Lüftungsöffnungen kann mittels verstärkter Querlüftung im Sommerfall effizient entwärmt werden. Die Unterseite des Sonnenschutzes ist mit einer metallischen Beschichtung versehen, die die Wärmeabstrahlung des heißen Textils unterdrückt und die Oberflächentemperatur des kühleren Hallenbodens reflektiert. Dieser Effekt vermindert die Kühllasten deutlich und steigert gleichzeitig den thermischen Komfort für die Nutzungen im Erdgeschoss erheblich.
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Über Lüftungsflügel bein den Innenraumabschlüssen kann eine thermischen Schichtung des Luftvolumens im Atrium – unten kühl, oben wärmer – ausgebildet und eine vollständige Durchlüftung des Atriums zur effiziente Auskühlung in Sommernächten erreicht werden. Der Atrienboden (Foyer / Plaza) kann über ein integriertes Rohrsystem temperiert werden, wodurch im Sommer ein Kühleffekt sowie im Winterfall eine Grundtemperierung des Atriums möglich ist.
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4.2. ENERGIE- UND LÜFTUNGSKONZEPT
Die kontrollierte Belüftung aller Bereiche erfolgt über die am Dachgeschoß platzierte Lüftungszentrale, die die Steigschächte an den Gebäudekernen versorgt. Aus den Steigschächten wird die Frischluft über abgehängte Decken im Flurbereich horizontal verteilt und zu den Quellluftauslässen an den Trennwänden geführt, wo sie zugfrei mit geringen Geschwindigkeiten in die Räume einströmt. Die Abluft wird oberhalb der Zuluftauslässe abgesaugt und zur Lüftungszentrale geführt.
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In den Lüftungszentralgeräten erfolgt eine hocheffiziente Rückgewinnung der Wärme aus der Abluft im Winterbetrieb und eine integrierte Zuluftkühlung im Sommerfall. Diese sogenannte Taupunktkühlung kühlt einen Teilstrom der Zuluft über eine Befeuchtung adiabat ab und überträgt die dabei freiwerdende Verdunstungskühle hocheffizient an die Zuluft. Die Zuluft wird so ohne Zunahme des Wassergehalts auf die gewünschte Zulufttemperatur für die Quellluftversorgung gebracht. Dieses Luftkühlungsprinzip kommt fast ganzjährig ohne zusätzlichen Kühlenergieeinsatz aus und vermeidet weitgehend zusätzlich benötigte Kühlenergie für die Luftkonditionierung.
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Das druckverlustarme Lüftungssystem sichert über den hygienisch notwendigen Luftaustausch gute Luftqualität im Gebäude und minimiert dabei den erforderlichen Antriebsstrom für die Lüftung. Die Grundklimatisierung des Raumes im Sommer erfolgt über eine Bauteilkühlung in den Geschossdecken, deren Leistungsabgabe im Kühlbetrieb bis 40 W/m² erreichen kann.
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Die individuelle Beheizung der Räume erfolgt über an den Fassaden positionierte Unterflurkonvektoren In Perioden mit sehr tiefen Außentemperaturen wird die Betonkernaktivierung zur unterstützenden Temperierung der Decken eingesetzt.
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Das Gebäude erhält einen Anschluss an das Fernwärmesystem, das überwiegend Wärme aus Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt und damit primärenergetisch sehr vorteilhaft ist.
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Die sommerliche Aktivierung der Betondecken sowie der Fußbodensysteme wird über ein unter der Bodenplatte der Tiefgarage befindliches Erdabsorbersystem versorgt. Durch die in den Bauteilen befindliche thermische Masse, kann über ein Tag-/Nachtlastmanagement die erforderliche Spitzenleistung aus dem Geothermiesystem gesenkt und die Systeme weitgehend über freie Kühlung betrieben werden.
Da die Zuluftkühlung durch das Taupunktkühlsystem weitgehend miniert ist, ist eine Zuschaltung mechanischer Kälte lediglich in sehr heißen Spitzenperioden erforderlich.
Das vorgeschlagene Konzept minimiert den Wärmebedarf des Gebäudes durch einen kompakten Baukörper und die hervorragende Qualität der Gebäudehülle sowie die kontrollierte natürliche Lüftung mit integrierter Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Damit wird in diesem zukunftsfähigen Gebäudekonzept ein optimierter thermischer Komfort für die Nutzer mit sehr geringen Primärenergiebedarfswerten für die Gebäudeversorgung vereint und gute Voraussetzungen für die Zertifizierung geboten.