© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Leitidee
Kunst Raum Stadt Raum / Museum in Bewegung
Für den Neubau der Kunsthalle Mannheim schlagen schneider+schumacher ein sehr einfach strukturiertes und dabei selbstbewusstes Gebäude vor, welches sich in den axialen Bezug des Friedrichsplatzes einordnet ohne sich unterzuordnen. Mit einer Auskragung im Obergeschoss generiert das Gebäude eine großzügige Stadtloggia zum Eingang der Kunsthalle. Die Achse des Billing- Baus erweiternd werden Alt- und Neubau auf den beiden Ausstellungsgeschossen miteinander verbunden. Dem Athene-Trakt kommt dabei mit dem Projektraum im Erdgeschoß, der den „historischen“ Übergang zum Foyer des Billing-Baus wieder herstellt, und dem im Obergeschoss angeordneten Manet- Saal, eine zentrale Rolle zu. Sämtliche Ausstellungsbereiche erhalten die Möglichkeit der optimalen, natürlichen Belichtung mit Oberlichtern. Die nach Norden ausgerichteten Oberlichter greifen das Raster des Gebäudes auf und prägen durch ihre formale Gestalt das Haus weithin sichtbar.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Gebäudestruktur
Der Neubau gliedert sich in einen mit großzügigen Einschnitten im Erdgeschoß versehenen und mit weiß satiniertem Glas verkleideten Baukörper und in die Dachstruktur mit den ovalen Oberlichtern. Das Untergeschoß reizt das Volumen des ehemaligen Bunkerbaus aus und integriert hier den Athene-Trakt sinnvoll auch in den Bereich der Wechselausstellung. Den Anschluss an den Billing-Bau bildet eine Reihe von Belichtungsschächten.
Der Skulpturengarten beginnt flankierend auf der Höhe des Athene-Trakts, umschließt den Billing-Bau im Süden und ist nachts durch einen Zaun geschützt.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Städtebauliche Einbindung Genau wie der in der Spiegelachse gelegene Rosengarten springt der neue Erweiterungsbau entsprechend seiner kulturellen Bedeutung von der Flucht der angrenzenden Bebauung zurück. Dieser Rücksprung wird im Sockel durch den Einschnitt noch erhöht und generiert so eine großzügigen überdachten Vorbereich vor der Kunsthalle. Eine formale Referenz gegenüber dem Rosengarten bilden die fünf Oberlichter. Das in Summe nur zweigeschoßige Gebäude spielt seine Sonderrolle im Umfeld aus und ermöglicht es so, dass der Turm des Billing-Baus vom Friedrichsplatz aus wahrgenommen werden kann. Die Moltkestraße soll für Fußgänger weiterhin öffentlich passierbar bleiben und den Blick auf den Skulpturengarten und den ehemaligen Haupteingang freigeben.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Anbindung an den Bestand
Zwischen dem Billing-Bau und dem Erweiterungsbau der Kunsthalle übernimmt der Athene-Trakt die Funktion eines historischen „Distanzstückes“, das über minimale Schattenfugen angebunden wird. Der Athene-Trakt erhält eine über ein satiniertes Oberlicht abgesetztes und mit Kupferblechbahnen belegtes, kissenschalenförmiges Betonschale, welches sich in die Struktur des Erweiterungsbaus erstreckt.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Funktionalität und Flexibilität
Die Orientierung innerhalb der erweiterten Kunsthalle ist durch die Axialität und die Ausbildung der Foyers einfach und selbsterklärend. Die Bereiche der permanenten Ausstellung und der Wechselausstellung gliedern sich entsprechend der Grundstruktur des Gebäudes in die gewünschten größeren Raumzusammenhänge mit tragenden Wänden, die flexibel durch eingestellte Wände unterteilt werden können. Die Wände beinhalten die technische Versorgungen für Zu- und Abluft über Sockelleiste sowie die Bildersicherungssysteme.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Materialien
Das Gebäude ist im Wesentlich durch drei Materialien bestimmt. Der im Umfeld vorherrschende rote Sandstein bildet den „Teppich“ auf dem die Kunsthalle steht und der sich im Sockel in den Einschnitten zum Friedrichsplatz und zum Athene-Trakt an Wand und Decke weiter entwickelt. Die Dachflächen sollen in farblicher Korrespondenz zum gegenüber liegenden Rosengarten in grün patiniertem Kupferblech respektive Kupferschindeln ausgeführt werden. Die Oberlichtdachschalen sind aus Halbfertigbetonelementen zusammengesetzt und erhalten im Bereich der Verglasung alle notwendigen Steuerungseinrichtungen für das Sonnen- und Kunstlicht. Alle sonstigen Wandflächen bestehen aus rahmen- und sprossenlosen, großformatigen Ganzglaskonstruktionen, die vor den opaken Wandscheiben aus satiniertem Weißglas bestehen, welche die Tiefe der dahinter liegenden Konstruktion andeuten.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.
Beleuchtungskonzept
Das Licht im Neubau der Kunsthalle Mannheim ist klar und unaufdringlich. Das äußere Erscheinungsbild mit den sanft leuchtenden Oberlichtern lässt auch im Nachtbild ein Innenleben vermuten. Das Foyer wirkt durch die beleuchteten Vertikalen hell und einladend und stellt die Lichtsituation am Tage gespiegelt dar.
Definiertes Licht in den Durchgangsbereichen sorgt für eine angenehme Atmosphäre und rekonstruiert die Logik des Gebäudes. Der Besucher nimmt den durchgeführten Innenbereich mit den Treppen als Kern des Neubaus war. Dies wird auch durch die Beleuchtungssituation nachvollziehbar. Eine Mischung aus regelbarem Kunst- und Tageslicht beleuchtet die Kunstwerke in den Ausstellungsräumen. Die 30 nördlich ausgerichteten Oberlichter bringen ein weiches Tageslicht in die oberen Ausstellungsräume die dadurch freundlich und offen wirken.
Die in Stromschienen verorteten Strahler lassen sich optimal an unterschiedliche Ausstellungen anpassen und gewährleisten die individuelle Beleuchtung der Exponate. Dezent glimmende Lichtfugen dienen der Orientierung, ohne in den Vordergrund zu treten. Die auf LED-basierenden lichttechnischen Komponenten entsprechen den Anforderungen an die konservatorischen und sind durch den konsequenten Einbezug des Tageslichts sowie die effizienten Leuchtmittel sehr wirtschaftlich.
Das Beleuchtungskonzept der Kunsthalle sorgt für eine ausgewogene Atmosphäre, die dem Besucher den optimalen Genuss der Kunst ermöglicht, ohne in Konkurrenz zu ihr zu treten.
© Schneider + Schumacher . Published on September 26, 2012.