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München, Germany

Nano-Institut LMU

JSWD Architekten, Club L94 Landschaftsarchitekten — Nano-Institut LMU

Entwicklungscampus Königinstrasse mit Neubau Forschungsbau Nano-Institut LMU München

2. Preis: Städtebaulicher Ideenteil ; Anerkennung: Realisierungsteil Nano-Institut

JSWD Architekten, Club L94 Landschaftsarchitekten — Nano-Institut LMU

1. Landschaftsplanerischer und städtebaulicher Ideenteil
Konzeptidee
Die Frage, wie der Entwicklungscampus Königinstraße aussehen soll, ist eng mit der Frage verbunden, wie zukünftige Lehr-, Lern- und Forschungswelten aussehen sollen. Kernidee des Konzeptes ist ein offener Lern-, Lehr- und Forschungscampus, der den Landschaftsraum des Englischen Gartens bis an die Königinstraße heranführt und somit sowohl für die Studierenden, als auch für die Bewohner des Quartiers einen attraktiven und durchgrünten Lebensraum bildet. Lehren und Lernen, Forschen und Freizeit gehen fließend ineinander über. Der hier vorgeschlagenen städtebaulichen Struktur liegt die Vision solitärer „Lern- und Forschungsvillen“ im Grünen zugrunde. Geprägt durch die Vorgabe einer schrittweisen Entwicklung stehen die Solitärbauten in zwei Reihen versetzt hintereinander. Die Lücken zwischen den Gebäuden erlauben nicht nur spannungsreiche Durchblicke in den Binnenraum, sondern fördern auch die Vernetzung des Campus mit dem angrenzenden Quartier. Treppenanlagen verbinden die Königinstraße mit dem Campus und machen die Isarhangkante erfahrbar.

JSWD Architekten, Club L94 Landschaftsarchitekten — Nano-Institut LMU

Freiraum
Selbstverständlich führen Freitreppen zwischen den Solitärbauten entlang der Königinstraße in den autofreien Binnenraum des Campus. Der sämtliche Gebäude verknüpfende Binnenraum erlaubt eine einfache und selbstverständliche Orientierung. Eine Kette von artifiziellen Pflanz- und Platzflächen strukturiert diese gemeinsame Mitte und schafft Identitäten.
Das städtebauliche Konzept sieht eine solitäre Bebauung vor, die sich in zwei Reihen linear zur Königinstrasse entwickelt. Dadurch wird der Höhenunterschied von der Königinstrasse zum Englischen Garten kompensiert und es entstehen spannende Blickbeziehungen zwischen Königinstrasse und Englischem Garten. Der entstehende Raum zwischen den Gebäudereihen wird zu einer Campusmagistrale entwickelt, die sich ein Geschoß unterhalb der Königinstrasse befindet. Alle Eingänge und die Anlieferung liegen an der Campusmagistrale. Zudem entwickeln sich entlang der Magistrale Ausstattungselemente, wie großzügige Holzdecks, Außengastronomie, Fahrradständer und unterschiedliche Gräserpflanzungen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Das Umfeld der Gebäude wird parkartig gestaltet und besteht aus Rasenflächen mit Solitärbäumen. Die Freiraumgestaltung nimmt damit das Motiv des angrenzenden Englischen Gartens auf und überträgt es auf das Grundstück. Der Neubau des Nano Institutes wird über einen großzügigen Vorplatz an die Königinstrasse angebunden. Der bestehende Brunnen wird in die Neugestaltung des Platzes eingebunden. Eine große Freitreppe mit Südausrichtung schafft die Anbindung an die Campusmagistrale und den Englischen Garten.

JSWD Architekten, Club L94 Landschaftsarchitekten — Nano-Institut LMU

Erschließung + ruhender Verkehr
Sämtliche Gebäude an der Königinstraße erhalten sowohl von dort über Brücken, als auch vom Binnenraum einen Zugang. Die untere Gebäudereihe am Englischen Garten wird über den PKW- freien Binnenraum erschlossen. Die befestigten Flächen sind ausschließlich zur Anlieferung zu befahren. In der 1.+2. Baustufe wird der ruhende Verkehr oberirdisch organisiert. Mit der 3.Baustufe entsteht unter den Gebäuden eine eingeschossige Tiefgarage mit ca. 120 Stellplätzen, um den Bedarf der Neubauten zu decken. Mit der 4.Baustufe wird der Gesamtbedarf durch die Erweiterung der Tiefgarage im Bereich des Baufeldes 5 vollständig erfüllt. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt über die Veterinärstraße am Südende des Campus.

JSWD Architekten, Club L94 Landschaftsarchitekten — Nano-Institut LMU

Nutzungsverteilung
Alle Gebäude können flexibel auf Nutzungsänderungen reagieren. Als Dreibundanlagen konzipiert, sind sowohl kleinteilige Zellenbüros, als auch größere Labore, Seminarräume oder Hörsäle problemlos organisierbar. Das Gebäude an der Platzfläche Königinstraße übernimmt die Rolle eines Zentralgebäudes. Hier sind Cafeteria, Bibliothek, sowie Seminar- und Hörsäle vorgesehen. Dadurch erhält der Platz inhaltlich eine angemessene Gewichtung als Auftakt, Zugang zum Campus und zentraler Treffpunkt. Die Kita ist am Nordende des Areals platziert. Dies ermöglicht eine störungsfreie Organisation der Freispielflächen, sowie eine direkte Erschließung, sowohl über den Campus, als auch aus dem Englischen Garten. Am südlichen Ende, auf kurzem Wege von der Veterinärstraße zu erreichen, befindet sich der Betriebshof mit der Technikzentrale.

Gestaltungskonzept/Gebäudegeometrie
Dem Bild einer gründerzeitlichen Villa folgend, sind die einzelnen Gebäude des Campus in mehrere Volumen gegliedert. Dabei begleiten entlang der Königinstraße viergeschossige Volumen den Straßenraum und bleiben aufgrund des Höhenversprungs der Hangkante damit unter der Traufkante der gegenüberliegenden Bebauung. Die höheren, fünf geschossigen Gebäudeteile sind bewusst zurückgesetzt und bilden den räumlichen Abschluss zum Binnenraum. Die Bauten zum Englischen Garten sind analog organisiert. Während die höheren, vier geschossigen Volumen den Binnenraum stärken, bleiben die drei geschossigen Volumen deutlich unter den Wipfeln der angrenzenden Bäume des Englischen Gartens.

2.Realisierungsteil Nano-Institut
Gebäudekonzept
Der Entwurf bildet das vorliegende Raumprogramm ab, die Struktur kann aber noch flexibel auf sich ändernde Vorgaben reagieren. Aus den Anforderungen an die einzelnen Nutzungsbereiche entwickelt sich ein einfaches und leicht verständliches Gebäudeprinzip, das für Mitarbeiter und Studenten eine gute Orientierung und ein hohes Maß an Arbeitsplatzqualität bietet.
Der Neubau für das Nano-Institut rückt deutlich von der Isar-Hangkante ab – der Höhenversprung mit seinem wertvollen Baumbestand ist aus dem Stadtraum Königinstraße und dem künftigen Institutsquartier sicht- und erlebbar. Der sensible Naturraum bleibt von PKW-/Anlieferverkehr und Feuerwehrzufahrten unberührt.

Entsprechend der Topografie entstehen zwei Adressen mit Zugängen in den Neubau – über eine Brücke angeschlossen auf Straßenniveau und aus dem Binnenraum des Campus. Beide Zugangsbereiche und alle aufgehenden Geschosse sind über einen repräsentativen, offenen Treppenraum miteinander verbunden. Das notwendige Treppenhaus mit Lastenaufzug ( technische Großgeräte ) ist auf kurzem Weg an die Anlieferzone angeschlossen. Die Struktur des Neubaus ist auf Basis des gängigen Rastermaßes von 3.60m aufgebaut. Die Organisation in Dreibundform kann sehr selbstverständlich Labors und Arbeitsräume unterschiedlicher Größe und Komplexität abbilden. Eine durchgängige Geschosshöhe von 4.00m mit Medienführung im Doppelboden und weitgehende Stützenfreiheit ( tragende Außenwände ) erlauben räumliche und technische Anpassungen, ohne großen baulichen Aufwand. Auf dem Dach wird eine Versuchsfläche für Forschung zu regenerativen Energien angeboten.

Architektur + Material
Das Nano- Institut ist der erste Baustein einer Reihe von solitären „Institutsvillen“, die den Stadtraum Königinstraße und den identitätsstiftenden Binnenraum des Campus definieren. Die Freiraumfugen zwischen den einzelnen Instituten lassen spannungsvolle Blickbeziehungen zu, der Englische Garten wächst bis an die Königinstraße heran. Das Vermeiden einer „Wand“, das Kommunizieren zwischen Park und Stadt und der Bezug zwischen Institut und umgebenden Freiraum wird verstärkt durch das dreidimensionale Modellieren der Baukörper. Aus der inneren Organisation heraus staffelt sich der Neubau horizontal und vertikal, schafft qualitätsvolle Außenräume (Vorplatz Haupteingang) und reagiert auf die direkte Nachbarschaft ( Traufe Bestandsbebauung Königinstraße ). Die Spannung der Fassade entsteht durch das Wechselspiel offener, verglaster und geschlossener Flächen aus hellen Faserbetonfertigteilen.

Technikkonzept
Bei der Planung des Neubaus spielt das dynamische Zusammenwirken zwischen Gebäude, Anlagen-technik und Nutzung eine maßgebliche Rolle. Auf den Unterschied zwischen zeitlich wechselnden äußeren Einflüssen und gleichmäßigen Nutzeranforderungen wird durch eine variable Gebäudehülle und eine darauf abgestimmte Anlagentechnik geeignet reagiert. Dabei werden die Zusammenhänge zwischen Witterungseinflüssen, baulichen und anlagentechnischen Eigenschaften, sowie der thermischen und visuellen Behaglichkeit in Bezug auf die Nutzerwünsche aufeinander abgestimmt. Ökologisches und ökonomisches Planungskonzept Bei der Entwicklung des Technikkonzeptes wurde ein Gesamtkonzept entwickelt, welches dem nachhaltigen Bauen in umweltschonender Baukonstruktion und minimierten Technikverbräuchen Rechnung trägt. Für das Nutzungskonzept der Gebäudekomplexe wird besonderes Augenmerk auf nachfolgend aufgeführte Punkte gerichtet: - geringe Folgekosten durch weitgehende Nutzung natürlicher Ressourcen, - geringe Vorinvestition bei technischen Systemen für maximale Ausbaufähigkeiten der technischen Anlagen. - geringer Flächenverbrauch für technische Anlagen, - Reaktionsmöglichkeiten auf Nutzerwünsche bei unterschiedlichen Komfortansprüchen durch Ergänzung technischer Komponenten, ohne Veränderung der Gebäudestruktur, - eindeutige Abrechnungsmöglichkeiten mit Monitoring, - ständige Kontrolle der Energieverbräuche und Wartungszyklen, - Möglichkeit einer Realteilung.

Bei der vorliegenden Gebäudestruktur besteht aus Schallschutzgründen die Möglichkeit einer natürlichen Be- und Entlüftung über Außenfenster, wobei diese aufgrund der spezifischen Nutzungsmöglichkeit nicht als permanente Lüftung herangezogen werden kann. Insofern wird der Einsatz einer unterstützenden mechanischen Lüftung im Bürobereich und auch für Sonderbereiche (Labore, Reinräume, Serverräume, Besprechungs-, Konferenzräume etc.), die ohnehin eine mechanische Lüftung benötigen, empfohlen. Durch das architektonische Konzept wurde bereits die Gebäudehülle im Bezug auf transparente Flächen und Abschirmung weitgehend optimiert, so dass günstige Voraussetzungen für die Minimierung der Energieverbräuche geschaffen wurden. Weiterhin wird die Möglichkeit zur Nutzung der speicherfähigen Gebäudemassen aufrecht erhalten, so dass in Verbindung mit gezielten Maßnahmen (Betonkernaktivierung, freie Nachtlüftung etc.) im Sommer eine Gebäudeauskühlung erreicht werden kann, die zu behaglichen Raumkonditionen während der Nutzungszeiten, auch bei hohen Außentemperaturen, führt.

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